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FWI - Pressemitteilung 19.10.2006

Bebauung Sportplatz Schillerstr. - Grund zum Feiern ?

Als die FWI vor etwa 5 Jahren dem Standort Sportplatz Schillerstr. für ein Altenheim zustimmte, war an eine dem Bodendenkmal Stadtgarten angepasste lockere Bebauung mit viel grünem Umfeld gedacht. Doch die exponierte Lage forderte die Investorengruppe offensichtlich dazu heraus, sich das Sahnegrundstück zu einem Spottpreis (zum halben Bodenrichtwert!) anzueignen und sich unter dem Deckmäntelchen sozialer Wohltaten mit Hilfe der städtischen Verwaltung erheblich zu bereichern.

Was hier zur Zeit in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stadtgarten entsteht und von der örtlichen Presse in höchsten Tönen gelobt wird, hat rein gar nichts mehr mit dem zu tun, was ursprünglich einmal mit der Angebotsabfrage für ein Altenheim in Gang gesetzt wurde.

Zur Erinnerung (aus dem Text der Angebotsabfrage):
Es sollte ein Alten- und Pflegeheim mit insgesamt 80 Pflegeplätzen entstehen, zusätzlich eine Wohnanlage mit 40 bis 50 altengerechten bzw. betreuten Wohnungen.

Das städtebauliche Konzept sah vor, dass eine hochwertige Geschossbauweise der vorhandenen Bebauung angepasst werden sollte. Das einzureichende städtebauliche Konzept sollte verbindlich entsprechend im Bauleitverfahren umgesetzt werden, spätere Nachverdichtung ausgeschlossen werden.

Folgende städtebauliche Kennziffern wurden vorgegeben:

Grundflächenzahl 0,4
Geschossflächenzahl 0,8
Anzahl der Vollgeschosse max. IV

Anmerkung:
Die Geschossflächenzahl (GFZ) gibt an, wie viel Quadratmeter Geschossfläche je Quadratmeter Grundstücksfläche i.S. § 19 Abs.3 BauNVO zulässig sind. Im Bebauungsplan ist die Geschossflächenzahl ein festgesetzter Wert, um eine Bebauungsdichte zu vermeiden. Ein Beispiel: Die Geschossflächenzahl mit dem Wert 0,6 bedeutet, dass auf einem 1.000 Quadratmeter großen Grundstück insgesamt höchstens 600 Quadratmeter Wohnfläche errichtet werden dürfen. Dabei bleibt zunächst offen, wie sich die Geschoßflächen verteilen, ob also in die Höhe oder in die Breite gebaut wird, da die Anzahl der Geschoße durch andere Vorschriften geregelt wird.
Die im Bebauungsplan festgelegte Grundflächenzahl (GRZ) gibt an, wieviel Grundfläche der Grundstücksfläche bebaut werden darf. Ist die GRZ z.B. 0,5 dann darf die Hälfte der Grundstücksfläche bebaut werden. Zusammen mit der Geschoßflächenzahl ergibt sich aus der GRZ das zulässige Bauvolumen auf einem Grundstück.
Maßgebend für die Berechnung ist die Größe des Grundstücks. Es gibt eine einfache Formel mit der man die zulässige Grundfläche des Gebäudes ermitteln kann: Grundstücksgröße x Grundflächenzahl= zulässige Grundfläche. Ein Beispiel: Das Grundstück hat eine Größe von 1000 m², die Grundflächenzahl beträgt 0,4, dann darf die Grundfläche des Gebäudes maximal 400 m² betragen.

Was im von Boulbos & Co. eingereichten städtebaulichen Konzept bereits andeutungsweise sichtbar war, im verabschiedeten Bebauungsplan dann unübersehbar wurde und jetzt in der Bauphase den erstaunten Laien klar wird, ist mit diesen Anforderungen absolut nicht mehr in Einklang zu bringen. Steht man vor diesen riesigen Bauten und Baulöchern, wird sehr schnell klar, dass zwar unter anderem vielleicht auch ein Altenheim gebaut wird (das aber noch nicht Richtfest feiern konnte), dominant sind jedoch die total überdimensionierten riesigen übrigen sieben Gebäude (hier konnte man schon Richtfest feiern), davon fünf Wohngebäude, die, alle mit Zufahrt zu eigenen Tiefgaragen, so im ursprünglich vorgelegten städtebaulichen Konzept des Investors wahrlich nicht vorgesehen waren. Alle Gebäude werden tatsächlich viergeschossig gebaut, im städtebaulichen Konzept waren noch 2 zweigeschossige vorgesehen, alle Gebäude werden im stark Nachverdichteten Bebauungsplan sehr viel größer. Die Geschossflächenzahl wurde immerhin von 0,8 auf 1,2 erhöht, was eigentlich ausgeschlossen sein sollte, womit jedoch erreicht werden konnte, dass die Wohnfläche immerhin um ein Drittel erhöht werden konnte!

Die Folgen sind unübersehbar, anstelle einer arrondierenden Bebauung mit 40-50 altengerechten Wohnungen entstehen nun 48 Wohneinheiten in zwei Gebäudeblöcken für betreutes Wohnen (gebaut von Dr. Isbruch und Familie) und 67 Wohnungen in 5 Gebäuden (gebaut von privaten Investoren), die dem Vernehmen nach altengerecht sein sollen, dazu rund 70 Tiefgaragenstellplätze, 50 Stellplätze, 15 öffentliche Parkplätze. Nur einmal angenommen, in diese 115 Wohnungen würden tatsächlich 220 Senioren (lt. Definition Menschen über 55 Jahre) einziehen, so wären dies zusammen mit den voraussichtlich 80 Altenheimbewohnern 300 Menschen. Um die beste altengerechte Wohnanlage Deutschlands zu vollenden, möchte Herr Boulbos auf der angrenzenden Wiese, so ist nun zu hören, nun auch noch Stadtvillen für generationenübergreifendes Wohnen errichten.

Mich erinnert dies an lange überholte und nicht nachahmenswerte Modelle der vergangenen Jahre, als bestimmte Bevölkerungsgruppen in großen Wohnanlagen sozusagen in Ghettos gesammelt werden. Mit dem ursprünglich politisch Gewollten hat dies nichts mehr zu tun. Hier stand und steht anscheinend doch allein der Profit der Investoren im Vordergrund, der auch noch durch den von SPD und CDU beschlossenen, subventionierten Grundstücksverkauf des Sahnegrundstückes in unmittelbarer Nähe des Stadtgartens erhöht wurde. Die FWI hat damals gegen diese Verschleuderung von städtischem Eigentum bis hin zum Regierungspräsidenten erfolglos, mit den Argumenten protestiert, dass im Fokus nicht allein das Altenheim sondern die für die Investoren lukrative Wohnbebauungen steht und deshalb ein verminderter Preis für das Sahnegrundstück nicht gerechtfertig sei. Mehr als 2 Mio. Euro sind so der Stadtkasse verloren gegangen.

FWI - Fraktion
Petra Bothe, Hermann Bohle, Manfred Postel

Weitere Informationen:

Fragen der FWI-Ratsfraktion an die Verwaltung und Antworten [ .pdf 555 kB ]

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