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Interview: Ruhrnachrichten 18.07.2007

Interview zwischen Manfred Postel und den Ruhrnachrichten zum Thema Moschee

... .wie haben Sie die Diskussion in der Bevölkerung wahrgenommen?

Ich will es einmal so beschreiben: Die gefühlte Temperatur in der Bevölkerung entspricht nicht der, die durch die Kommunalpolitiker von rot/grün und dem Bürgermeister veröffentlicht und artikuliert werden.
Es gibt überwiegend sehr kritische Stimmen auch bei den Mitgliedern der FWI zum Moscheebau in Castrop-Rauxel.

Welche Gründe konnten Sie dafür bei den Bürgern und bei ihren Mitgliedern ausmachen?

"Nicht die Moschee, der Islam ist das Problem", mit dieser Aussage bringt der in Köln lebende jüdische Schriftsteller Ralph Giordano das Problem m. E. auf den Punkt. Nach meiner Wahrnehmung kann man diese Feststellung auch auf die meisten Äußerungen Castrop-Rauxeler Bürger übertragen. Sie sehen in einer Moschee die Manifestierung der Lehren des Islams durch ein repräsentatives Gebäude. Viele sehen die dogmatischen Grundsätze dieser Religion bestehend aus Koran, Sunna und Scharia mit den bei uns verfassungsmäßig garantierten Grund- und Menschenrechten als unvereinbar an. Sie wehren sich vehement gegen die Vergleiche mit anderen christlichen und jüdischen Kirchen und dem bestehenden AGORA Zentrum in Ickern.

Mit welche Argumenten und Fakten werden denn diese Aussagen untermauert?

Erst einmal war für mich erstaunlich wie viele Bürger sich mit dem Thema intensiv befasst haben, es war aber auch für mich erstaunlich, welche Antworten Sie von den Initiatoren und Politkern erwarten, bevor das geplante Projekt gestartet wird. Ein paar Beispiele die wir dokumentiert haben:
Eine Bürgerin zitierte aus dem Koran:
Sure 5,51 "Nehmt euch nicht Juden und Christen zu Freunden"
Sure 8,55 "Als schlimmste Tiere gelten bei Gott die Ungläubigen"
und fragte, ob wir diese Aussagen als mit dem Grundgesetz vereinbar einstufen. Eine weitere Bürgerin sagte wir sollten erst einmal einige unbequeme Fragen stellen und schlug folgende Fragen vor:
Wie hält es der Islam mit den Frauenrechten? Steht die Scharia über dem Grundgesetz? Wie steht man zum Sportunterricht für Mädchen?
Es gab noch viele derartig formulierter Fragen, die ich so zusammenfassen möchte: Die fast alle Lebensbereiche regelnde "Vorschriftenreligion Islam", die aufgrund vieler schrecklicher Ereignisse die unter der Flagge des Islam medienwirksam stattfanden und mit dem Islam unverrückbar bei den Bürgern in Verbindung gebracht wird, wird bei vielen Bürgern als reaktionär empfunden und muss - auch durch ihre Verfechter vor Ort zunächst einmal Antworten geben auf sehr viele Fragen.

Welche Antworten seitens der Initiatoren und der Politik müssten denn zunächst gegeben werden und welche Bedingungen würden Sie an einem Ja zur Moschee knüpfen?

Wie die Integrationsbeauftragte des Bundes, Maria Böhmer (CDU), bereits formulierte müssen eine deutliche "Absage an religiös motivierte Gewalt" und "klare Bekenntnisse zu unseren Grundrechten erfolgen, um dauerhaft zu einem friedvollen Zusammenleben in Deutschland zu kommen."
Viele Bürger bemängelten, dass Stimmen in der Öffentlichkeit, insbesondere auch von den hier lebenden DITIB-Initiatoren der Moschee und den weiteren 3 islamischen Gemeinden in Castrop-Rauxel, zu vielen schrecklichen Taten unter der Fahne des Islams, nie zu hören waren.
Diese Stimmen aus der Bürgerschaft Castrop-Rauxel zeigen mir eines ganz deutlich:
Das Projekt Moschee kann nicht nur mit viel Toleranz politisch begleitet werden, es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Wenn der Islam auf eine Stufte gestellt werden will mit den christlichen Kirchen muss er sich dann auch an Standards halten, wie etwa Treue zum Grundgesetz und unserer Demokratie, die die anderen Kirchen seit Jahrzehnten, staatlich überwacht, auch beim öffentlichen staatlichen Religionsunterricht, einhalten müssen.
Es wird nicht ohne diese beispielhaft genannten klar formulierte Bedingungen gehen, d.h. man sollte zunächst gemeinsam mit allen Beteiligten mehr in die mit dem Gebäude verbundenen Inhalte als in das Gebäude investieren.

Und wie sehen Sie die Arbeit des Integrationsrates und die vorgeschlagenen Integrationsbemühungen?

Auseinandersetzungen mit dem Islam und den Moscheebau, wie sie derzeit hier stattfindenden sind für mich eine wichtige Vorstufe der Integration. Nur mit Ehrlichkeit und Klarheit auf beiden Seiten wird man einen gewünschten Fortschritt in den Beziehungen zueinander erzielen. Dieser Prozess ist mühsam, insbesondere auch im Bezug auf die 5 islamischen Gemeinden, die untereinander schon verschiedene Auffassung sind und nicht allein von den Initiatoren der DITIB vertreten werden. Der Integrationsrat hat noch viel Arbeit, denn ein städtischer Integrationsbeauftragter und Maßnahmen zur Beseitigung der Sprachbarrieren sind nur sehr, sehr kleine Mosaiksteine für eine erfolgreiche Integration und noch lange kein städtisches Integrationskonzept, das wir, da besteht Einvernehmen mit allen politischen Aktiven vor Ort, auch dringend brauchen.

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