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Ratsitzung vom 05.07.2012 zur Schulentwicklung
- Auflösung der Haupt- und Realschulen zugunsten von 2 Sekundarschulen

Redebeiträge der FWI-Fraktion

Hermann Bohle:

Gedanken Sekundarschule

Was mich so verwundert, dass so viele Schulexperten bei ROT/GRÜN sicher sind, dass die Sekundarschule die beste aller Schulformen ist. Ein solches Urteil kann man aber nur fällen, wenn man weiß, wie die anderen Schulen Unterricht und Förderung gestalten. Sie wissen also, welche Schule in welcher Form ein Förderprogramm durchführt und welche Schule in welcher Form in welchem Fach differenziert unterrichtet. Und sie wissen natürlich genau, wie die neue Sekundarschule begeisternd die Kinder mitnimmt, wie sie fördert und fordert und kein Kind zurück lässt. Deswegen lassen sie auch in die Beschlussvorlage schreiben: "Der Rat der Stadt beauftragt die Verwaltung, zwei antragsfähige pädagogische Konzepte zur Errichtung der Sekundarschulen zu erstellen und für beide Schulen Rahmenkonzepte vorzulegen." Da frag ich mich, was sie wirklich über Schulen wissen.

Herr Behrenspöhler, Sie haben natürlich Recht, wenn sie die Schärfe der Auseinandersetzung um die Sekundarschule tadeln.

Ich finde es auch bedauerlich, wenn Frau Glöß die Arbeitsgruppe Sekundarschule platzen läßt, nur weil in ihr nicht alle Teilnehmer Zustimmung signalisieren und kritische Fragen stellen.

Ich finde es auch höchst bedauerlich, wie die Grünen mit Schulleiter und Kollegium der Friedhof Nansen umgehen, dem Schulleiter die Qualifizierung für Leitungsfunktionen absprechen und Kolleginnen und Kollegen die Verletzung der Neutralitätspflicht vorwerfen. Herr Dr Wagner, sie mögen ein cleveres Kerlchen sein, aber die Fähigkeit, den Leiter einer Schule beurteilen zu können, spreche ich ihnen ab.

Ich kann aber die Bürgerinnen und Bürger verstehen, die ihren Unmut über die neue Schulform in Leserbriefen zum Ausdruck gebracht haben, war doch die Information über die neue Schublade eher euphorisch als sachlich und korrekt. Alle Informationsveranstaltungen waren nur Sekundarschulen freundlich besetzt und liefen darauf hinaus, den Eltern und Kindern die "Katze im Sack" zu verkaufen.

Auf eine weitere ideologisch begründete Auseinandersetzung über die beste Schule aller Schulen möchte ich mich nicht weiter einlassen, diesen nutzlosen Streit kenne ich noch aus der Zeit der Einführung der Gesamtschule, die damals auch die beste aller Schulen war und heute sich, abgeschliffen durch die Praxis, als eine ganz normale Schule unter anderen Schulen zeigt.

Faktencheck

Sinnvoller erscheint es mir einen Blick auf die vorliegenden Zahlen und Prognosen zu werfen und daraus Schlussfolgerungen für die Praxis zu ziehen.

Die vorgenommene Befragung der Grundschuleltern ist natürlich nicht repräsentativ, wie behauptet, weil sie mit einer eingeschränkten Zielgruppe durchgeführt wurde, die sicherlich nicht den Bevölkerungsquerschnitt repräsentiert. Die Interpretation der Ergebnisse ist mathematisch nicht sauber und eher auf das Ziel zugeschnitten, der Öffentlichkeit eine positive Zustimmung zur Sekundarschule zu suggerieren. Zum Leidwesen von ROT/GRÜN ist die Zufriedenheit der Eltern mit und die Zustimmung zu den bestehenden Schulen einfach zu groß, sie sind eine zu lästige Konkurrenz für die zu gründenden Sekundarschulen.

Und was macht man mit einer lästigen Konkurrenz? Man bringt sie nach Mafia Art um, oder macht es eleganter wie ROT/GTÜN und beschließt, sie auslaufen zu lassen.

Genau an dieser Stelle setzt der Glöß/Haber Plan in seinen Prognosen an. Realschulen und die letzte Hauptschule werden geschlossen und es bleiben 2 Gymnasien, eine Gesamtschule und der Rest, der jetzt natürlich nur noch über die zwei Sekundarschulen beschult werden muss.

Der Rest umfasst im Schuljahr 2013/14 , bei einer Gymnasialnachfrage von 40% und einer Gesamtschule mit konstant 140 Schülern, noch 287 Kinder, die dann in den beiden Sekundarschulen untergebracht werden müssen. Mit den 11,5 Zügen ergibt das zwei sechszügige Schulen. Selbst wenn man die Klassenfrequenz auf 30 heraufsetzt, damit wäre das Versprechen kleiner Klassen schon gebrochen, bleiben immer noch 9,5 Züge, die an zwei Standorten kaum unterzubringen sind.

Also großes Organisationschaos und übergroße Schulen im ersten Schuljahr der neuen Sekundarschulen.

Zur Erleichterung der Schulgründer entspannt sich die Lage im zweiten Prognosepunkt 2016/17 leicht, bei gleichen Voraussetzungen besteht der Rest jetzt aus 216 Kindern, also 8,7 Zügen. Selbst wenn man hier wiederrum ein wenig an den Frequenzen bastelt, lassen sie sich nur unter räumlichen Schwierigkeiten an zwei Standorten unterbringen.

Zum Planungsjahr 2019/20 darf den Befürworten der Sekundarschule der berühmte Stein vom Herzen fallen, denn mit der Restzahl von166 Kindern sind die beiden Sekundarschulen gut gefüllt.

Sie können sich jetzt eigentlich freuen, immerhin funktioniert nach sechs Jahren Probelauf und vielen Schwierigkeiten die Einrichtung zweier Sekundarschulen perfekt!

Allerdings gibt es da noch zwei klitzekleine Probleme:

Erstens müssen sich die Eltern strikt an die Übergangsquote von 40% zum Gymnasium halten. Bei der aktuellen Anmeldequote von 43% wird es mit den Anmeldezahlen für zwei Sekundarschulen 2019/20 schon ganz eng und bei 45% können keine zwei dreizügigen Sekundarschulen eingerichtet werden, weil die Restschülerzahl mit 140 zu klein ist. Bei einer Übergangsquote von 50% gehen auch im Glöß/Haber Plan die Lichter für eine Sekundarschule aus, das bedeutet aber, dass eine der beiden Schulen schon im Gründungsjahr 2013 mit dem Verfallsdatum 2019 zu versehen ist.

Das zweite kleine Problem sehe ich im Verhalten der Eltern, die lieber die Realschule (aktuell 22%) wählen würden. Unter ihnen könnte es bösartige geben, die sich nicht an politische Vorgaben halten, die sebstbestimmt und selbstbewusst auf der Schulwahl Realschule bestehen, die sich nicht bevormunden lassen und ihre Kinder konsequent auf Realschulen in den benachbarten Dörfern anmelden. Ob dann überhaupt noch ausreichend Kinder für eine Sekundarschule vorhanden sind? Wer weiß!

Die Gründung zweier Sekundarschulen im Schuljahr 2013/14 beginnt in einem schulorganisatorischen Chaos und endet nach sechs Jahren Laufzeit, in der die Kinder und Lehrer mit vielen Problemen belastet werden, in der Schließung einer der beiden Schulen. Weitere drängende Fragen, wie die Versorgung mit speziell für die Sekundarschule ausgebildeten Lehrern und das Vorhandensein verbindlicher Richtlinien für den Unterricht, bleiben unbeantwortet.

Ein konkreter Vergleich mit dem vorliegenden Schober-Plan wird nicht vorgenommen. Schober schlägt vor: "Für die Stadt Castrop-Rauxel wird jedoch vorgeschlagen, die zukünftige Schulentwicklung auf dem Erhalt der bestehenden Realschulangebote aufzubauen und in der sich abzeichnenden Entwicklung - nicht zuletzt auch in Anbetracht der Freigabe des Elternwillens - flächendeckend schulorganisatorisch auf die historisch angelegte Absorptionskraft der Realschule zu vertrauen. Vieles spricht dafür, dass sich auch in der Stadt Castrop-Rauxel die Schulform Realschule gegenwärtig einer steigenden Wertschätzung von Seiten der Eltern sicher sein kann."

Mit dem fehlenden Vergleich ist die Entscheidungsgrundlage für die Mitglieder dieses Rates nicht umfassend genug vorgestellt.

Der vorliegende Schulentwicklungsplan ist Murks, die FWI wird ihm nicht zustimmen.

Entwicklung der Schülerzahlen in Castrop-Rauxel für die weiterführenden Schulen [ .pdf 128 kB ]

Manfred Postel:

Antrag der FWI: Ratsbürgerentscheid

Die SPD und der BM betonen immer wieder, egal bei welchen politischen Entscheidungsprozessen "man wolle die Bürger mitnehmen" ja, "man müsse die Bürger mitnehmen". Heere Worte wie wir aus Erfahrung z.B. aus dem ersten Bürgerentscheid und dem jetzt abgelaufenen Verfahren zur Schulentwicklung wissen. Der Spruch gilt nur bei Wahlkämpfen und wenn die Bürger den Ideologien von rot/grün widerstandslos folgen.
Die FWI bleibt bei ihrer Auffassung, dass es einen starken Elternwillen gibt, die erfolgreiche Schulform Realschule in unserer Stadt erhalten zu wollen und die Politik muss dieses berücksichtigen, wenn sie es Ernst meint mit der Berücksichtigung des Bürgerwillens bei der anstehenden schulpolitischen Entscheidung.

Die ergebnisorientierte Umfrage zu den Sekundarschulen und ihre fragwürdige Interpretation dokumentieren auf keinen Fall den Eltern- oder Bürgerwillen die Schulform Realschule auf dem Altar zweier Sekundarschulen zu opfern - ganz im Gegenteil!
Das müsste selbst rot/grün und die Verwaltung registriert haben.

Es gibt eine gesetzlich geregelte Möglichkeit des Rates die Bürger zu befragen und entscheiden zu lassen:
Den Ratsbürgerentscheid gem. § 26 Abs. 1 der Gemeindeordnung NRW.

"Der Rat kann mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der gesetzlichen Zahl der Mitglieder beschließen, dass über eine Angelegenheit der Gemeinde ein Bürgerentscheid stattfindet der sogenannte Ratsbürgerentscheid."

Eine solche Entscheidung des Rates kommt vor allem dann in Betracht, wenn eine Frage sowohl in der Gemeinde wie im Rat hoch umstritten ist, und wenn von der Abstimmung durch die Bürger erwartet werden kann, dass diese - ganz gleich wie sie ausgeht - zu einer Befriedung in der Gemeinde führen wird.
Dieses Instrument hier und jetzt wahrzunehmen, dafür sprechen zwei maßgebliche Gründe, - weil sich der Rat in dieser wichtigen kommunalpolitischen Entscheidung zur Schulentwicklung nicht einig ist und, dass dies ggf. die Legitimität einer politisch mit knappster Mehrheit getroffenen Entscheidung erhöht! Das muss doch eigentlich im Sinne von rot/grün und der Verwaltung sein, denn Sie geben sich doch heute so sicher, das die Gründung von 2 Sek.-Schulen der richtige Weg ist, den die Bürger auch wollen - oder haben Sie Angst vor der Entscheidung der Bürger?

Was hält den Rat also davon ab, einen Ratsbürgerentscheid zu initiieren und die Bürger zur Schulpolitik zur Frage entscheiden zu lassen:

Sollen die Schulformen Realschule und Hauptschule in Castrop-Rauxel zu Gunsten von 2 neu zu gründenden Sekundarschulen endgültig abgeschafft werden?

Die FWI beantragt einen derartigen Ratsbürgerentscheid seitens der Verwaltung vorzubereiten und durchzuführen und bittet über den Antrag abstimmen zu lassen.

Weitere Argumente/Fragen

Die Abgabefrist für Anträge zur Gründung von Sek.-Schulen wurde von der Bezirksregierung von Dezember auf Oktober vorgezogen. Kann seitens der Verwaltung der im Beschlussvorschlag angegebene Termin Herbst 2012, d.h. Ende September, für die politischen Gremien und die folgende Antragstellung (d.h. die gesamten für das Antragsverfahren notwendigen Unterlagen) überhaupt fristgerecht sichergestellt werden?

Ist die lt. Leitfaden der Landesregierung erforderliche interkommunale Abstimmung mit den Nachbargemeinden bei der Gründung von Sekundarschulen und der Abschaffung der Schulformen Real- und Hauptschule in unserer Stadt bereits erfolgt bzw. wann soll diese erfolgen? Wann werden dem Rat die Ergebnisse z.K. gegeben? Welchen Stellenwert wird dieser beigemessen - bzw. haben die Voten einen entscheidenden Einfluss hinsichtlich des heute zu fällenden Einrichtungsbeschlusses?

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