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Offener Brief an den Schulleiter der FHS und Koordinator der Sekundarschule Nord

Sehr geehrter Herr Braukmann,

es ist liebenswürdig von Ihnen, wenn Sie uns nicht, wie die Schuldezernentin und der pädagogische Chefideologe der SPD, Unverantwortlichkeit oder persönliche Abneigung gegenüber der Sekundarschule vorwerfen. Wir befürworten durchaus, wenn auch mit Skepsis gegenüber der praktischen Erprobung, diese neue Schulform in Gemeinden, in denen aus unterschiedlichen Gründen die Weiterführung von Realschulen und Hauptschulen unmöglich ist und halten es nicht für sinnvoll, wenn Kinder und Eltern kilometerweit durchs Land fahren müssen, um eine Sekundarstufenschule zu erreichen. Wir waren immer schon der Meinung, dass vor Ort Schulvielfalt vorgehalten werden muss, deswegen auch unser Einsatz gegen die Schließung gut funktionierender Schulen in unserer Stadt, wie z.B. der "Franz- Hillebrand - Hauptschule" oder der "Schillerschule" oder der vielen Grundschulen oder der "JKG" oder die durch Bürgerinnen und Bürger verhinderte Schließung der "FNR".

Leider benutzen Sie als Insider in Ihrer Argumentation das politische Argument der Schulformwechsler von der Realschule zur Hauptschule, versehen es mit einem negativen Touch und sprechen von "Absteigern", vergessen aber zu sagen, dass landesweit 95,4% der Lernenden diese Schulform mit der Fachoberschulreife verlassen, die in ihrer Terminologie wohl als "Aufsteiger" bezeichnet werden müssen. Übrigens wäre es interessant, Statistiken und Informationen über den weiteren Bildungsweg der "Absteiger" zu haben. Mir ist vor einigen Wochen ein solcher Schulformwechsler als veritabler Diplom Ingenieur begegnet.

Sinnvoller wäre es aus unserer Sicht gewesen, mal einen Blick auf die 3277 Jugendlichen zu werfen, die trotz der Bemühungen der sehr engagierten Lehrerinnen und Lehrer und vieler Sondereinrichtungen (die Schillerschule betreibt eine Lerngruppe für Zuwandererkinder ohne Deutschkenntnisse) im Schuljahr 11/12 ihre Schulzeit ohne Hauptschulabschluss beendet haben. Sind sie sicher, dass mit einer neuen Schulform dieses Problem in Zukunft geheilt werden kann?

Ihre Argumentation geht weiter über "die ausgesprochen gute Lehrerversorgung dieser Schulform", die eine Individualisierung ermöglicht. Dazu lese ich zur Sekundarschule im "Leitfaden Schulorganisation" der Bezirksregierung Düsseldorf: "Sie erhält wie alle anderen allgemeinbildenden Ganztagsschulen einen 20-prozentigen Stellenzuschlag." Die ausgesprochen gute Lehrerversorgung ist also eine Nebelkerze, mit der eine ausgezeichnete Besonderheit der Sekundarschule suggeriert wird, die in Wirklichkeit nicht existiert.

Den politischen Quatsch mit den kleinen Klassen wärmen Sie, Gott sei Dank, nicht auf, weil Sie wissen, dass die durchschnittliche Klassenfrequenz der Hauptschulen bei 21,4 liegt und es im Leitfaden heißt: "Eine Voraussetzung ist, dass die zur Errichtung notwendigen Schülerzahlen prognostisch mindestens fünf Jahre stabil bleiben." In diesem Zusammenhang ist ein Säulendiagramm der Verwaltung von Bedeutung, das die Übergangsquote der Schülerzahlen für 2019/20 wie folgt prognostiziert: Gymnasium 40% d.h. 204 Kinder, Gesamtschule konstant 140 Kinder; Realschule 22% d.h. 112 Kinder und einen Rest von 20 Kindern, der für die Hauptschule bleibt. Müssten mit dieser städtischen Prognose nicht alle Warnlampen auf "Rot" stehen, selbst bei eingefleischten Ideologen?

Übrigens werden den Eltern so wichtige Informationen wie "Der Unterricht in der Doppeljahrgangsstufe 5/6 orientiert sich an den Lehrplänen des Gymnasiums. Ab der 7. Klasse werden dann, je nach Organisationsmodell der Schule, auch die Lehrpläne der anderen Schulformen berücksichtigt" weitgehend vorenthalten. (Zitat Leitfaden)

Wir, die FWI, sehen im Verfahren zur Einrichtung zweier Sekundarschulen in unserer Stadt zu viele Ungereimtheiten, das beginnt mit der mathematisch skurrilen Interpretation der Elternbefragung und endet in unserer Ansicht, dass die Entwicklung der Schülerzahlen nicht die Existenz zweier Sekundarschulen zulässt und am Ende des ersten Probelaufs auch die Existenz nur einer Sekundarschule in Frage gestellt ist. Wir hätten uns im bisherigen Verfahren weniger Ideologie und mehr Realität gewünscht und mehr Zeit für die inhaltliche Vorbereitung.

Wir kritisieren nicht die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer, die sich in der Vorbereitung der Sekundarschule engagieren, wünschen uns dabei aber weniger Euphorie und mehr Einsicht in das Mögliche. Vor allem haben es Eltern und Kinder nicht verdient, dass ihnen die neue Schulform wie in einer Waschmittelreklame verkauft wird, sie haben Anspruch, umfassend informiert zu werden und die Stärken und Schwächen der neuen Schulform zu erfahren, vor allem sind sie auf mögliche Schwierigkeiten hinzuweisen, die sicherlich bei der Realisierung einer pädagogischen Utopie auftreten werden..

Mit freundlichen Grüßen
H. Bohle

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